Auszug [unveröffentlicht]

»Wenige Leute würden sich verlieben, wenn sie nicht davon gehört hätten.« (François VI. de La Rochefoucauld)

 

Meine Dissertation ist eine philosophische Analyse der partnerschaftlichen Liebe in der heutigen Zeit, wobei Partnerschaft als weiter Begriff gemeint ist. Im Zentrum der Arbeit steht das Zusammenspiel der Verantwortung für und der Bindung an eine andere Person bei gleichzeitigem Streben nach Autonomie. Als Titel für dieses Projekt habe ich  „Liebe - Freiheit - Alles“ gewählt. Ein Slogan, der meiner Meinung nach die Problematik der heutigen Zeit, sprich die Thematik meiner Forschung exakt und prägnant trifft und darüber hinaus meiner angestrebten Ausdrucksform entspricht. „Liebe. Freiheit. Alles.“ – ein Ausdruck der komplementären Anforderungen der heutigen Individuen an sich selbst und an die Gegebenheiten unserer Zeit im Allgemeinen. Es zeigt sich das „Grunddilemma der individualisierten Gesellschaft“[1]: Alleine fühlt man sich einsam, sucht man sich aber einen Partner, empfindet man sich als unfrei – „Zu große Nähe erstickt, und die Ferne macht Angst.“[18] Ein Konflikt, dessen gegensätzliche Pole Liebe und Freiheit sich gegenseitig bedingen, ein komplexes Konstrukt ergeben. Ein Konflikt, der sich immer weiter zuspitzt, immer brisanter wird, dessen Ausmaß längst das Alltagsleben von Paaren und Singles verlassen hat und eine politische Dimension erhält. Zu untersuchen ist also, ob es eine Möglichkeit gibt, beide Ansprüche, den an die Liebe und den an die Freiheit, vereinbar zu machen und ein Modell zu gestalten, das sich nicht im ständigen Kampf bewegt, sondern fusioniert, harmonisiert, den Leidensdruck mildert, dem die Gesellschaft im 21. Jahrhundert unterliegt: Wie kann man den Wunsch nach Geborgenheit, Einheit, Bindung und der daraus resultierenden Abhängigkeit und Verbindlichkeit einer Liebesbeziehung mit dem (gleichzeitig bestehenden) Wunsch nach Selbstbestimmung, Abstand, Freiraum und Eigenständigkeit in Einklang bringen?

 

 

THEORETISCHER HINTERGRUND

 

Die Liebe beschäftigt die Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Der Begriff „Liebe“ erfährt dabei eine Bedeutungs- und Verwendungsvielfalt. In der Analyse dieser Texte ist begriffliche Disziplin besonders wichtig. So wird häufig von „Liebe“ gesprochen, wenn tatsächlich aber „Verliebtheit“ gemeint ist. Außerdem kann man „liebe“ als Verb verwenden, wie im Satz „Ich liebe sie.“, oder auch als Substantiv: „Sie ist die Liebe meines Lebens.“ oder „Unsere Liebe ist zerbrochen.“ Während man mit der ersten Aussage spontan an ein Gefühl denken könnte, so meint die zweite eher eine Institution, die dritte könnte mit den Begriffen „Partnerschaft“ oder „Beziehung“ synonym gesetzt werden.

 

Mein erster Schritt wird es also sein, meinen eigenen Begriff von „Liebe“ zu definieren. Darüber hinausgehend werde ich untersuchen, wie sich das Verständnis von Liebe in einer gelebten Partnerschaft ausbilden kann, wobei hier auch zu erklären sein wird, warum Partner trotz eines ähnlichen sozialen Vorverständnisses häufig ganz unterschiedliche Liebesbegriffe verwenden. Dabei gilt es auch einen Blick auf die Bindungstheorien der Psychologie zu werfen, welche besagen, dass die Fähigkeit zu lieben aber auch zu autonomen Handlungen bereits in der frühkindlichen Entwicklung festgelegt wird.[2]

 

 

Beides, die eigene Begriffsbildung und die Analyse der Begriffsbildung in Partnerschaften, werde ich anhand ausgesuchter philosophischer und literarischer Beispiele versuchen. Dabei werde ich mich bemühen, psychologische sowie insbesondere soziologische Betrachtungen einzubeziehen, die sich mit Umweltfaktoren wie Konsum, Medien und den gesellschaftlichen Erwartungen an die partnerschaftliche Liebe beschäftigt.[3]  Grundsätzlich scheitert die Umsetzung des partnerschaftlichen Liebesbegriffs in der Praxis oft an Missverständnissen. Dabei scheint mir besonders gravierend, dass sich die Partner stark in ihrer Autonomie beschnitten fühlen, einem elementaren Bedürfnis der modernen Gesellschaft. Die Frage drängt sich auf, ob die Idee der Liebe und die Idee Autonomie konzeptionell und praktisch überhaupt widerspruchsfrei miteinander vereinbar sind.

 

 

 

Der nächste Schritt meiner Arbeit ist daher eine philosophische Analyse der Autonomie. Hierbei steht die personale Autonomie[4], insbesondere die Konzeption der relationalen Autonomie[5],  im Vordergrund, die soziale Beziehungen als Bedingung der Möglichkeit, Autonomie zu erzeugen und zu erhalten, beschreibt. Da der Liebesdiskurs nur innerhalb einer Beziehung zu (mindestens) einer anderen Person behandelt werden kann, erscheint mir diese Autonomiekonzeption am geeignetsten. Aber auch klassische Autonomiediskurse wie von Harry G. Frankfurt und Immanuel Kant werden in diesem Rahmen angesprochen, da sie Elemente enthalten, die für die Frage nach der Vereinbarkeit mit Liebe unabdinglich sind.

 

Mein Dissertationsprojekt untersucht also zunächst philosophisch, ob und wie das zentrale Persönlichkeits-merkmal der Autonomie mit Liebe und der damit verbundenen Verantwortung vereinbar ist.

 

 

 

KONZEPTIONELLE BESTANDTEILE DER PARTNERSCHAFTLICHEN LIEBE

 

In der Philosophie finden sich bereits einige theoretische Modelle der partnerschaftliche Liebe. Meiner Meinung nach gelingt es keinem dieser Modelle, das Phänomen Liebe umfassend zu beschreiben. So repräsentiert beispielsweise das Vereinigungsmodell die Bedeutung der Verbundenheit: Durch die Liebe werden zwei Menschen zu einem Paar vereint. Sie werden aus ihrem bisherigen sozialen Kontext gehoben und in eine isolierte Position – das „Wir“ – gebracht. Die zentrale Metapher der Verschmelzung zweier Menschen findet sich in der antiken Philosophie in Platons ‚Gastmahl[6]. Aristophanes beschreibt, wie Zeus die ursprünglichen Kugelmenschen entzwei schlug, um deren Macht zu schwächen und die einzelnen Hälften seither einander suchen. In der (sowohl körperlichen als auch geistigen) Liebe lässt sich diese ursprüngliche Gestalt zurückgewinnen. In der modernen Philosophie, vertreten durch Philosophen wie Robert Solomon, Robert Nozick oder Mark Fisher, [7] bilden sich aus diesem Ansatz unterschiedlich radikale Positionen, die eine neu entstandene, zwei Subjekten gemeinsame „Wir-Identität“ in den Vordergrund rücken. Ein Einwand zu dieser Position sieht sich darin, dass die Autonomie der einzelnen Liebenden je nach Radikalität der Ausführung stark beeinträchtigt oder überhaupt nicht gegeben ist. Meine Kritik geht darüber hinaus in eine praktische Richtung, indem ich überlege, was mit dem „Wir“ nach einer Trennung geschieht, oder wenn ein Kind geboren wird.

 

In der Theorie der Stabilen Sorge (robust concern) werden beide Partner als eigenständige Subjekte gesehen und die Sorge um das Wohlergehen des anderen zum zentralen Charakteristikum. In der klassischen Ausführung bezieht sich dies auf den aristotelischen philia-Begriff, in der modernen Interpretation unter anderem auf die Schriften von Harry G. Frankfurt, Gabriele Taylor und Alan Soble.[8] Die Liebe wird weder als affektiv, noch kognitiv, sondern als volitional angesehen. [9] Es geht stets um das Wohl des Geliebten und somit wird dessen Anliegen automatisch zu dem des Liebenden. Es ist dabei nicht wichtig, wie der Liebende sich fühlt, wenn er den Geliebten umsorgt – der Fokus liegt rein auf handlungsmotivierenden Strukturen. Dies schließt aber Emotionen nicht zwangsläufig aus, sondern sieht sie als Konsequenzen oder Begleit-erscheinungen des Wollens. Es ist also egal, ob ein Partner gerne mit dem anderen ins Theater geht, oder ob er es nur um des anderen willen tut.

 

Die Problematik besteht also darin, dass der Liebende die Interessen des Geliebten verfolgen muss und dessen Wohlergehen damit zu solch einem zentralen Thema wird, dass einerseits jegliche Form von Egoismus ausgeschlossen ist, andererseits aber die Begeisterung für den anderen und dessen Interessen eine untergeordnete Rolle spielt. Zudem zeigt sich kein Charakteristikum, welches die partnerschaftliche Liebe von anderen Formen der Sympathie, wie beispielsweise dem Mögen oder der Verliebtheit abzugrenzen. In einer traditionell besetzten Beziehung wäre das Modell weitaus unproblematischer zu behandeln – heute steht das gesteigerte Bedürfnis nach Autonomie der praktischen Umsetzbarkeit entgegen.

 

Eine weitere Konzeption findet sich in der weitverbreiteten Annahme die Liebe sei ein Gefühl, welchem man willenlos unterlegen sei. Auch im Alltag begegnen wir dieser Sichtweise häufig, wenn wir Aussagen verwenden wie „Wir haben uns von der ersten Sekunde an geliebt.“ oder aber „Ich empfinde einfach nichts mehr für ihn.“ Auch bei dieser Betrachtungsweise sind wir also nicht frei, sondern werden von unseren Gefühlen übermannt, stehen diesen hilflos gegenüber und können uns nicht gegen deren Mächtigkeit wehren. Dies wird unter anderem durch die Theorie Sigmund Freuds gefestigt, welcher besagt, dass Beziehungen im Erwachsenenalter stets durch fundamentale Kindheitserlebnisse geprägt sind und zur Bewältigung des frühkindlichen Traumas dienen – die Partnerwahl ist also nicht frei zu treffen, sollte die Liebe scheitern, wird dies als unvermeidlich angesehen. [10] Dabei wird der Faktor des kulturellen Einflusses auf ein Gefühl, bzw. die Beziehung nicht ausreichend beleuchtet. Darum gilt es zu hinterfragen, inwieweit Gefühle durch sprachliche, normative oder symbolische Faktoren geprägt werden, inwiefern die Kultur zur Errichtung, Einordnung und Interpretation eines Gefühls relevant ist, inwieweit Körper, Wahrnehmung und kulturelle Normen ineinander übergehen und sich gegenseitig bedingen. Eine Gegenüberstellung von Verliebtheit und partnerschaftlicher Liebe verdeutlicht die kontrastive Definition: Es wird klar, dass es sich bei der Liebe um eine gestaltbare, eigenverantwortliche und erlernbare Aktivität handeln muss.

 

 

Da keines dieser Modelle das Phänomen der partnerschaftlichen Liebe in der heutigen Zeit adäquat und ohne Inkonsistenzen erfasst, werden zusätzlich zu den behandelten Komponenten weitere Bestandteile der partnerschaftlichen Liebe dargestellt. Diese sind im Einzelnen: a) zu lieben als Fähigkeit begreifen, b) das passende Objekt der Liebe, c) die Historizität der Beziehung, d) der Glaube an die Liebe sowie e) die Sexualität und biologische Faktoren.

 

 

Zu a): Aufgrund der bereits gewonnenen Erkenntnis, dass es nicht ausreicht, die partnerschaftliche Liebe als reines Gefühl zu betrachten, erscheint es als sinnvoll die Liebe als „Gefühlsaktivität“[11] zu bezeichnen. Dies lässt den Schluss zu, dass die Liebe ausbaufähig, entwickelbar, erlernbar ist. Ähnlich wie ein Schreiner, der sein Handwerk erlernen muss, handelt es sich auch bei der partnerschaftlichen Liebe um eine solche Fähigkeit, die erlernt, geübt und perfektioniert werden muss. Um die Fähigkeit der Liebe auszubauen, ist das Vorgehen mit jedem anderen Lernprozess vergleichbar. Der Schreiner muss zum einen über ein Wissen bezüglich der Materialien, der Verfahrensweisen und der Werkzeuge verfügen, zum anderen muss er dieses Wissen praktisch anwenden können. Erst wenn „die Ergebnisse [des] theoretischen Wissens und die Ergebnisse [der] praktischen Tätigkeit miteinander verschmelzen und [man] zur Intuition gelang[t]“ [12], kann eine Fähigkeit zu ihrer vollen Entfaltung kommen.

 

 

Zu b): Stellt man die Frage: „Warum liebst du sie?“, so wird sich die Antwort auf bestimmte Eigenschaften von jener Person beziehen, welche den Liebenden anziehen und das Objekt der Liebe in besonderer Weise auszeichnen. Es bedarf also bestimmter Charakteristika, die das Objekt der Liebe zu etwas Besonderem machen. Hier muss geklärt werden, welche Eigenschaften ein Objekt zufällig besitzt (extrinsisch) und welche Eigenschaften unmittelbar und untrennbar zu dessen Identität (intrinsisch) gehören.[13] Wichtig für die Liebe ist hierbei, dass sich die Wertungen in Bezug auf die jeweiligen Eigenschaften der beiden Liebenden nicht allzu sehr unterscheiden oder eine Person an dem Geliebten Eigenschaften schätzt, die der andere als zufällig und unwichtig erachtet oder gar nicht besitzt. Weiterführend gilt es das Phänomen der Exklusivität in diesem Kontext zu beschreiben.

 

 

Zu c): Erfüllt sich nun dieses Kriterium der gleichen Wertigkeit, so ist noch nicht geklärt, warum man nicht einer anderen Person, welche die gleichen Eigenschaften innehat oder sogar bessere aufweist, den Vorzug geben sollte und warum andere Menschen „mein“ Liebesobjekt nicht ebenso lieben. Hier wird deutlich, dass die gemeinsame Geschichte eines Paares ein entscheidendes Merkmal ihrer Liebesbeziehung ist. Der andere ist über die Zeit hinweg zu einem Teil der eigenen Biographie geworden.[14] Hier gilt es Kontinuität (continuity) und Beständigkeit (constancy) von Beziehungen zu unterscheiden, um ein adäquates Verständnis der Historizität zu schaffen.

 

 

Zu d): Der Glaube an die Liebe, bzw. die Bereitschaft zu lieben ist insofern notwendig, als dass ein bestimmtes Verhalten zunächst anhand bestimmter Kriterien, welche soziokulturell geprägt sind, erfasst und bewertet werden muss. Kurz: Wenn man die Liebe nicht als Liebe bezeichnet, wird sie auch nicht als Liebe erkannt. Nehmen wir Romeo und Julia als Beispiel: Romeo war nur deshalb empfänglich für Julias Erscheinung, da er sich schon vor ihrem Erscheinen nach Liebe sehnte. Daher kodiert er im ersten Augenblick, als er Julia sieht, ihre Eigenschaften mit Elementen des Begehrens sowie dem Wunsch, eine Liebesbeziehung mit ihr einzugehen. Wäre Romeo in diesem Moment nicht in dieser sehnsuchtsvollen, amourösen Stimmung gewesen, hätte er Julia vielleicht als attraktiv wahrgenommen, nicht aber das Phänomen der „Liebe auf den ersten Blick“ als solches empfinden können. Auch in einer bestehenden Liebesbeziehung ist die Kodierung dieser als selbige unabdinglich.

 

 

Zu e) Das (sexuelle) Begehren ist in vielen Abhandlungen über die Liebe ein wichtiger Bestandteil. Dennoch ist Liebe ohne Sexualität ebenso denkbar, wie Sex ohne Liebe. Wie also ist der Zusammenhang von körperlicher Liebe und dem theoretischen Liebesmodell zu beschreiben? Sexualität kann als profane Metapher für den Wunsch nach Vereinigung angesehen werden, doch durch die Liebe wird das unreine, triebhafte, animalische Körperliche veredelt zu einer „reinen Unreinheit“ – der Vervollkommnung mit dem anderen. Diese ist also nicht beliebig, denn man findet nicht in der körperlichen Vereinigung, dem Orgasmus, die Befriedigung, sondern in der „Verschmelzung mit dem Geliebten“[15]. Die Begeisterung für eine andere Person – die unlösliche Einheit der Seele und des Körpers – wecken das Begehren. Das Objekt geht hier also dem Begehren voraus.[16] Biologische Faktoren wie die Reaktion auf bestimmte Reizschemata, Gerüche oder hormonelle Vorgänge werden hierfür als Basis zugrundegelegt.

 

 

KONSTRUKTIVER TEIL

 

Im konstruktiven Teil werde ich versuchen, ein  modernes Modell der Liebe zu skizzieren. Die heutige Auffassung von partnerschaftlicher Liebe benötigt eine freiere, offenere Basis, um die Autonomie und die Individualität der Liebenden zu erhalten. Ich verfolge dabei einen kooperativen Ansatz und versuche, Liebe als eine gemeinsame Arbeit der Liebenden zu begreifen. Die Liebe muss von beiden Partnern reflektiert, artikuliert, verstanden und bewertet werden, um in einer Partnerschaft entstehen zu können und erhalten zu bleiben. Die vorausgehenden Ergebnisse des konzeptionellen Teils meiner Arbeit werden in diesem Teil praxisbezogen dargestellt und zu einem einheitlichen System verbunden. Somit hoffe ich, dem Autonomieproblem des Vereinigungsmodells zu entgehen, da durch die beschriebene Kontinuität der partnerschaftlichen Liebe und durch die zur Person des Liebenden passenden Veränderungen die eigene Identität vollständig erhalten bleibt. Auch der Einwand der Selbstaufgabe oder der Verlust von Individualität, welcher sich aus dem kurativen Modell ableitet, entfällt. Zudem ist gewährleistet, dass beide Partner aktiv an ihrer Liebe mitwirken und damit ihre Fähigkeit zu lieben stets neu erlernen.

 

 

 

 

Um den Konflikt von Liebe und Freiheit umfassend zu betrachten, erscheint es als notwendig, die Lebenssituation aus unterschiedlichen Perspektiven zu analysieren. Zum einen gilt es das politische und ökonomische System, in dem wir uns befinden, die Makroebene (I.), zu analysieren. Zum anderen erscheint ein Bereich aus dem privaten Mikrokosmos auszeichnend für die heutige Epoche: die Nutzung der Medien (II.).

 

 I. LIEBE IN ZEITEN DES DEMOKRATISCHEN KAPITALISMUS

 

Warum ist gerade diese Thematik als Kernproblem der heutigen Zeit anzusehen? Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es sich bei dieser Frage um ein rein privates Problem zu handeln, das jeder für sich persönlich zu lösen hat. Doch betrachtet man den behandelten Konflikt eingehender, so wird schnell deutlich, dass das Gestalten der persönlichen Liebesbeziehung insofern von gesellschaftspolitischem Interesse ist, als dass sowohl die demokratische Grundeinstellung eines jeden Bürgers im privaten Rahmen geprägt wird,[19] als auch die demographische Entwicklung von dem Gelingen von Liebesbeziehungen mit abhängig ist. Es handelt sich also bei der Frage nach der Liebe nicht um eine Banalität, sondern um eine fundamentale Frage der heutigen Zeit. Betrachtet man die letzten einhundert Jahre unserer Kulturgeschichte, so wird deutlich, dass sowohl der Begriff der Liebe als auch der der Freiheit einen immensen Wandel erfahren haben. Wo noch vor zwei Generationen klare Geschlechterrollen die Sphären von Arbeit und Privatleben dominierten, ist heute in dieser Hinsicht wenig Struktur und Ordnung zu finden.

 

„Plötzlich wird alles unsicher: die Form des Zusammenlebens, wer wo wie arbeitet, die Auffassung von Sexualität und Liebe und ihre Einbindung in Ehe und Familie; […] Es beginnt ein allgemeines Ringen und Experimentieren mit ‚Wiedervereinigungsformen‘ von Arbeit und Leben, Haus- und Erwerbsarbeit usw. Kurz gesagt: das Private wird politisch, und dies strahlt auf alle Bereiche aus.“ [20]

 

 

Durch die Auflösung der klaren Arbeitsgebiete von Frau und Mann, durch die Auflösung der Definitionen von Frau und Mann, durch die Befreiung des weiblichen Geschlechts aus Küche und Kinderzimmer und die gleichzeitige (Ver-)Drängung der Männer dorthin, durch den Versuch einer absoluten Gendergleichstellung, ohne aber die institutionellen Strukturen des Arbeitsmarktes zu ändern, verlagert sich der Konflikt mehr und mehr in das Privatleben und somit in die Gestaltung der Liebesbeziehungen. Arbeitswelt und Hausarbeit sind technisierter, aber ebenso zu verrichten, wie noch in den 1950er Jahren, als eine klare Geschlechtertrennung die strukturelle Ausrichtung des Systems beinhaltete, eine Ungleichstellung von Männern und Frauen also vorausgesetzt hat.

 

„Wir können nicht die neuen ‚runden‘ Menschen in die alten ‚eckigen‘ Schachteln der Vorgaben des Arbeitsmarktes, Beschäftigungssysteme, Städtebaus, sozialen Sicherungssystems usw. zwängen. Wenn dies versucht wird, darf sich niemand wundern, daß das private Verhältnis der Geschlechter zum Schauplatz für Auseinandersetzungen wird, die nur defizitär in den Zerreißproben des ‚Rollentauschs‘ oder der ‚Rollenmischform‘ von Männern und Frauen ‚gelöst‘ werden können.“ [21]

 

 

In den vergangenen Jahren und Jahrzenten sind einige politische Maßnahmen getroffen worden, die den privaten Konflikt schmälern könnten: Die Kinderbetreuung ist ausgebaut, die Frauenquote en vogue, die Verteilung von Spitzenpositionen und Bestverdiener ist nun auch bei den Frauen angekommen und doch besteht noch immer ein Konflikt, der sich in die Liebesbeziehungen hineinträgt. Während sich auf der einen Seite eine deutliche „Versingelung“ der Gesellschaft[22] abzeichnet und ein Viertel der Menschen zwischen 18 und 59 Jahren ohne Partner leben[23], zeigt sich andererseits keine Erschütterung am „Herrschaftssystem des Paares“[24]. Und dennoch leben in Deutschland 18,31 Millionen Ehepaare und die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften ist von 2,0 Millionen (1999) auf 2,6 Millionen (2009) angestiegen. Im Jahr 2013 sind 682.100 Kinder geboren worden.[25] Diese Zahlen zeigen, dass das Bedürfnis nach Liebesbeziehungen besteht und dennoch nicht immer gelingt. Ebenso wie die Zahl von Paarbildungen steigt auch die Zahl von Scheidungen und Trennungen (jede dritte Ehe scheitert, alleinerziehende Mütter und Väter machten 20% der Familien mit Kindern unter 18 Jahren aus), „aber nicht, um endlich dieses Joch abzustreifen, sondern um frei zu sein für eine andere, bessere, schönere Herzensbindung, die einlöst, was die verworfene nicht gehalten hat.“[26] Während die Lebensform in Paarbeziehungen also einerseits glorifiziert, idealisiert und zu einer angestrebten Utopie wird, erfährt sie auf der anderen Seite eine Abwertung bezüglich ihres einengenden Charakters, als Kontrahent der Freiheit.

 

„Der Befund ist ebenso rätselhaft wie paradox: Zerfall und Vergötzung von Familie und Ehe fallen zusammen. […] Familienidealisierung und Scheidung sind die zwei Gesichter eines modernen, in den enttraditionalisierten, individualisierten Lebenswelten um sich greifenden Liebesglaubens.“[27]

 

 

Begeben wir uns also auf den Schauplatz dieses Kampfes, dieser Paradoxie und versuchen wir die Bestandteile, die den Konflikt schüren, in ihrer Differenziertheit zu erfassen. Bringen wir Ordnung in das „Chaos der Liebe“[28]. Was bedeutet die Liebe für eine Gesellschaft? Welche Vorstellungen und Erwartungen haben wir von ihr und an sie? Seit Jahrtausenden beschäftigen diese Fragen die Menschheit. Unzählige Werke in der Literatur, Kunst und Musik füllen sich mit dieser Thematik. Wenn wir uns also heute mit der Liebe beschäftigen, blicken wir auf einen solch gewaltigen kulturellen Fundus, dass eine einheitliche Definition des Begriffes allein an der Masse der unterschiedlichen Meinungen zu scheitern scheint. Deutlich wird jedoch, dass eine jede Beschreibung durch die kulturellen und zeitspezifischen Bestimmungen ihrer Entstehung geprägt ist. Um also beispielsweise einen mittelalterlichen Minnesang zu interpretieren, muss die gesellschaftliche Gestaltung, der Umgang mit der Liebe in jener Zeit betrachtet werden. Eine analoge Übertragung in die heutige Zeit ist nicht möglich, da sich das gesamte Setting grundlegend verändert hat.

 

Da Liebe als ein soziokulturell geprägtes Phänomen angesehen werden muss,[29] ist es notwendig die aktuelle Lebenssituation zu erfassen und damit darzustellen in welchem Rahmen und unter welchen Bedingungen Beziehungen eingegangen und aufrechterhalten werden. Zunächst ist es notwendig zu betrachten, wie wir heute leben, welche Erwartungen und Vorstellungen wir an und von der Liebe haben und inwieweit der Konflikt mit dem Streben nach Autonomie zu betrachten ist. Hierbei können keine universell gültigen Aussagen getroffen werden – der Fokus liegt somit auf einer eingeschränkten Gruppe von Menschen. Da der Kulturkreis, aber auch die soziale Schicht und das Alter prägend sind für die Vorstellungen von Liebe, wird in meiner Arbeit die Generation Y im Zentrum stehen. Jene Generation also, die in den 1970er und 80er Jahren geboren wurde, sich in akademisch geprägten Kreisen aufhält, medienaffin ist und die Kriterien der Selbstreflexion und Selbstgestaltung erfüllt. Kriterien, die sich im weiteren Verlauf meiner Arbeit als bezeichnende Eigenschaften dieser modernen Individuen herausstellen werden.

 

 

Wo stehen wir heute? Als Teil der Generation Y befindet man sich in einer individualisierten Gesellschaft, in der Entscheidungen weitestgehend frei getroffen werden können und müssen. Damit ist jeder von uns als reflektiertes Subjekt anzusehen, das sich selbst formen muss. Nietzsches „Werde wer du bist!“ ist also selten so aktuell gewesen, wie zu unserer heutigen Zeit. Welcher Arbeit man nachgeht, welchen Partner man auswählt, ob man Kinder zeugt oder nicht, wie man konsumiert, wie man lebt – alles ist eine Wahl, nichts geschieht determiniert oder zufällig. Dies beinhaltet eine Verantwortlichkeit für das eigene Schicksal, da jede Handlung ihre Konsequenzen nicht nur auf persönliche, sondern auch auf globaler Ebene nach sich zieht.[30] Dabei sind die Möglichkeiten unendlich. Schnelllebigkeit, Wechsel und Massenkonsum sind die Auswüchse der Zahl- und Ziellosigkeit. Das Streben nach Freiheit und Autonomie bedingt diese Orientierungslosigkeit der heutigen Zeit. Was in der Aufklärung als Utopie begann und durch die Freiheitsbewegung der 1960er Jahre weiter proklamiert wurde, ist heute Realität. Geschlechtergleichstellung, Meinungsfreiheit, Handlungsfreiheit, Integration von Ausländern – alle sollen die gleichen Rechte haben, alle sollen gleich frei sein. Damit sind wir verdammt zur Freiheit, wie schon Sartre proklamierte. Autonomie – ein durchgehend positiver Wert? Auf den ersten Blick würde man diese Frage bejahen, betrachtet man aber die Auswirkungen und Konsequenzen einer grenzenlosen Autonomie, so wird schnell deutlich, dass ein vollständiges Fehlen von Grenzen keinen erstrebenswerten Zustand darstellt, denken wir an Bieris Figur des Getriebenen.[31] Eine Utopie des Weniger ist hier die Form, in der gedacht werden kann und sollte.

 

 

Die Liebe ist in erster Instanz als Feind der Autonomie zu betrachten: Der Junggesell(innen)enabschied kommt nicht von Ungefähr – er stellt den Abschied einer bald heiratenden Person von deren Freiheit dar, einen Abschied in den starren Rahmen, in die „Fesseln der Ehe“. Kommt es zu diesem Ritual, so ist die Entscheidung für eine Beziehung aber schon gefallen, was heute wiederum keine Selbstverständlichkeit darstellt. Betrachtet man den Inhalt unzähliger Internetforen, Liebesratgeber, Fernsehserien und Filmen, so findet sich darin das Thema der Bindungsangst als zentrales Problem des heutigen Liebesdiskurses. Die statistischen Zahlen der Unverheirateten sowie des stetig ansteigenden Heiratsalters bestätigen, dass es heute nicht mehr einfach oder selbstverständlich ist, sich zu einer Beziehung oder gar einer Ehe zu entschließen. Kommt es aber doch dazu, so erscheint die Autonomie meist nach kürzester Zeit wieder auf der Bildfläche der Liebenden: Als Feind der Liebe. Wir sagen Sätze wie: „Er engt mich total ein“, „Sie ist überhaupt nicht mehr sie selbst, seit sie in einer Beziehung ist“, „Seit der Trennung kann ich endlich wieder ich sein und tun, was ich will“, „Ich brauche meinen Freiraum“ etc. Dieser Konflikt ist nicht neu. Neu hingegen sind die Spielfelder und Werkzeuge. Wo noch eine Generation zuvor Briefe und Telefonate die Instrumente des Kennenlernens waren, stehen heute Smartphones und Laptops mit ihren vielfältigen Angeboten. Der Umgang mit sozialen Medien birgt neue Anforderungen, Herausforderungen und Überforderungen für den Konflikt von Liebe und Freiheit.

 

 II. ES HAT KLICK GEMACHT

 

Was bedeutet das für die Liebe in der heutigen Zeit? Bevor es zur ersten Verabredung kommt, werden Internetrecherchen über die jeweils andere Person angestellt und Nachrichten über Facebook, Email, SMS oder Whatsapp verschickt. Diese neuen Formen der Interaktion verändern nicht nur die Entstehung einer Beziehung, sondern auch deren Bestehen. Betrachtet man die Entstehungsgeschichte einer Liebesbeziehung, so wird deutlich, dass diese anders verläuft als vor der verbreiteten Nutzung des Internets. Jede Beziehung ist heutzutage eine Onlinebeziehung, egal wie sie begonnen hat. Es spielt keine Rolle ob sich die Partner zum ersten Mal über einen speziellen Logarithmus bei Elitepartner oder bei Freunden auf einer Gartenparty begegnet sind: Bevor es zur ersten Verabredung geht, werden Informationen über den anderen gesucht und somit ein Bild erstellt, das aus Fremdinformationen besteht, ein Bild, das der Kontrolle des anderen nur zu einem bestimmten Grad unterliegt. Wir googeln und finden berufliche Werdegänge, akademische Publikationen, Ranglisten von Sportveranstaltungen, Urlaubsfotos, Exbeziehungen und die Amazonwunschliste mit den Lieblingsbüchern. Vor dem ersten Treffen wissen wir also mit ein paar Klicks schon mehr, als zu Zeiten von Goethe und Kafka in Wochen und Jahren behutsam ausgetauscht wurde. Wir können den anderen vor dem ersten persönlichen Gespräch unter vier Augen bewerten, ihn mit den eigenen Werten und Vorstellungen abgleichen, kennen schon viel. Wir sind irgendwie vertraut und doch fremd. Die Hilfsmittel der modernen Kommunikation verhalten sich wie ein Katalysator: Man erhält ein schnelleres Ergebnis mit weniger Rückständen. Stendhals Kristallisationseffekt[32] bekommt eine neue Brisanz.

 

 

Und auch die Hemmschwelle in realen Begegnungen sinkt: Trifft man auf besagter Gartenparty bei Freunden jemanden, mit dem man ins Gespräch kommt, oder auch nicht, so findet man ihn oder sie am nächsten Tag garantiert in einer virtuellen Freundes- oder Gästeliste wieder. Und eine kurze Mitteilung oder eine Freundschaftseinladung aus der Sicherheit des heimischen Laptops ist leichter zu verschicken, als jemanden direkt und persönlich nach einem Treffen zu fragen.

 

„Das Internet vermittelt den Eindruck des Gegenteils. Man sitzt gemütlich zu Hause, in Filzpantoffeln, unrasiert oder ungeschminkt (wenn keine Webcam angeschaltet ist), die Kontaktaufnahme aus der Distanz ist zuerst und vor allem unglaublich bequem.“[33]

 

Zusätzlich zu persönlichen Treffen, Telefonaten und Briefen gibt es nun also noch eine Vielzahl anderer Hilfsmittel der Kommunikation. Manchmal genügt es schon ein Smiley zu senden, um dem anderen mitzuteilen, wie man sich gerade fühlt. Durch die periphere Wahrnehmung mittels digitaler Kommunikation entsteht ein sechster Sinn, der zusätzlich zur Realität die Palette der Möglichkeiten des Mitteilens und Verstehens erweitert. Die Masse der Kontaktmöglichkeiten verändert die Intensität des Austausches. Die Regel, die noch in den 1990er Jahren beschwörte, dass man sich auf keinen Fall ohne einen Abstand von drei Tagen auf eine Nachricht melden dürfe, um interessant und nicht allzu interessiert zu wirken, ist längst überflüssig. Alles geht schneller, intensiver, effektiver. Da man selbst nicht nur das Angebot des Marktes der Liebe ergreifen kann, sondern auch zu selbigem gehört, ist eine weitere Leistung erforderlich: Die Präsentation der eigenen Person. Was möchte man von sich preisgeben und für wen? Wie inszeniert man sich? Wie „verkauft“ man sich gut? Es gilt kreativ zu sein. Ein jeder wird zum Designer, zum Marketingexperten, zum Texter, zum Fotografen, zum Pressesprecher seiner eigenen Welt.

 

Es gibt im Internet […] viele Schriftsteller, die auf der Suche nach sich selbst sind, Dichter, Künstler aller Gattungen, die dort die Möglichkeit finden, ihr Talent zu präsentieren. Auf eine sehr erstaunliche Weise taucht der Liebesbrief nach hundert Jahren wieder in neuen Formen aus der Mottenkiste auf.“[34]

 

Auch bestehende Liebesbeziehungen werden online inszeniert. Der Beziehungsstatus auf Facebook wird verändert – „X ist jetzt in einer Beziehung mit Y.“ –, es gilt als Liebesbeweis sich aus Kontaktbörsen zu verabschieden und Datingapps zu löschen. Fotos von gemeinsamen Unternehmungen werden über Whatsapp an den Freundeskreis weitergeleitet. Das Liebesglück ist kein geheimes Gut der beiden Liebenden, sondern ein Statussymbol, das zelebriert und geteilt wird. Nach einer Trennung fällt es schwer, die Bilder und Nachrichten wieder aus dem Netz, aus der persönlichen Chronik zu entfernen, viele lassen sie bestehen. Somit erhält die virtuelle Liebe einen Status, den die reale oftmals nicht erreicht: Sie ist unendlich. Zudem ist sie allwissend und allumfassend. Die Liebe im Internet erhält so die Attribute des Heiligen und steht somit an der Stelle, die vor der Moderne vom Sakralen eingenommen wurde. Onlineliebe kann als eine Nachreligion, als das Heilige der Postmoderne interpretiert werden.[35]

 

Wo bleibt die Freiheit in dieser Form der Interaktion? Gleichzeitig zu der größeren Informationsdichte über den Einzelnen erhöhen sich auch die Chancen, jemanden kennenzulernen. Die Freiheit der Wahl ist also größer und damit auch die Freiheit „Nein!“ zu sagen. Dem Anspruch an Perfektion, an weniger Kompromiss mit der eigenen Autonomie, kann nachgegangen werden. Begibt man sich in die Dienste der professionellen Hilfen, wird die Suche optimiert: Ist man registriertes Mitglied einer Datingplattform oder Besitzer einer Datingapp wie Tinder, so kann man über die ganze Welt verstreute, gleichgesinnte Menschen kennenlernen, die man im alltäglichen Leben niemals treffen würde, egal ob dies an einer Distanz über mehrere hundert Kilometer liegt oder an der Arbeitszeit, die verhindert, dass man abends in die Bar nebenan geht.

 

 

Die Freiheit sich wieder aus einer Beziehung zurückzuziehen ist durch die virtuelle Kommunikation ebenfalls größer. Man muss sich nicht länger erklären, kann unangenehmen Gesprächen entfliehen, indem man eine Konversation einfach einstellt. Wo im realen Leben die gesellschaftliche Etikette verbietet, dass man sich ohne ein Wort davon stiehlt, erscheint es im virtuellen Raum nicht unüblich, dass ein vielversprechend erscheinender Kontakt ohne ein Wort des Abschieds über Nacht verstummt.

 

„Mit einem Klick schaltet man ein, mit einem Klick schaltet man aus. Mit einem Klick erstellt man ein Profil, mit einem Klick schließt man die Seite. Mit einem Klick versendet man eine Mail, mit einem nicht ausgeführten Klick beantwortet man eine Antwort nicht. Das mit einer Maus ausgestattete Individuum denkt, es hätte seine sozialen Beziehungen auf diese Weise bestens unter Kontrolle. Es weiß nicht, dass es den Finger in ein Räderwerk gesteckt hat, aus dem es nicht ohne Blessuren herauskommen wird.“[36]

 

Die Vor-und Nachteile dieses Zusammenspiels gilt es ausführlicher zu hinterfragen und in den weiteren Verlauf meines Promotionsprojektes einzubinden. Für diese Forschung werde ich gezielt Personen befragen, die in einer Beziehung leben und soziale Medien nützen. Die Ergebnisse werden die einzelnen Konzeptionen von Liebe und Autonomie formen sowie Hinweise liefern, wie das von mir entworfene Beziehungsmodell im Einzelnen gestaltet sein soll, um den Ansprüchen einer modernen Sichtweise Genüge zu leisten.


VERWEISE

 

         

[1]              Beck, Ulrich/ Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe, S. 96.

[2]              Sigusch, Volkmar: Sexuelle Welten, S. 30.

[3]              Vgl. Illouz, Eva: Der Konsum der Romantik; dies.: Warum Liebe weh tut.

[4]              Siehe Buss 2002, Betzler 2013, Baumann 2000, etc.

[5]              Siehe Friedmann 2003, Jeske 2001, Meyers 2004.

[6]              Vgl. Platon: Gastmahl, 189c-194e.

[7]              Siehe Solomon 1988, Nozick 1989, Fisher 1990.

[8]              Siehe Frankfurt 2001, Taylor 1999, Soble 1997.

[9]              Vgl. Frankfurt, Harry G.: Autonomie, Nötigung und Liebe, S. 167.

[10]             Siehe Freud, Sigmund: Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse.

[11]             Ortega y Gasset, José: Betrachtungen über die Liebe, S. 285.  

[12]             Fromm, Erich: Die Kunst des Liebens, S. 17.

[13]             Vgl. Wilson, John: Ich liebe dich, so wie du bist,  S. 29.

[14]             Vgl. Wilson, John: Ich liebe dich, so wie du bist,  S. 33f.

[15]             Ortega y Gasset, José: Betrachtungen über die Liebe, S. 281.

[16]             Vgl. ebd., S. 280f.

[17]             Beck, Ulrich/ Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe, S. 96.

[18]             Sigusch, Volkmar: Sexuelle Welten, S. 30.

[19]             Vgl. Giddens, Anthony: Wandel der Intimität, S. 211.

[20]             Beck, Ulrich/ Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe, S. 42.

[21]                          Ebd., S. 43.

[22]             Vgl. Starke, Kurt: Nichts als die reine Liebe. S. 9.

[23]             Vgl. Dilling, Annabel: Diesen Partner in den Warenkorb legen, S. 13.

[24]             Donat, Esther: Die Ordnung des Paares, S. 50.

[25]             Quelle: Statistisches Bundesamt.

[26]             Beck, Ulrich/ Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe, S. 226.

[27]             Ebd., S. 227f.

[28]             Ebd., 1990.

[29]             Siehe hierzu u.a. die Beiträge in Kuchler, Barbara/Beher, Stefan: Die Soziologie der Liebe.

[30]             Vgl. Beck, Ulrich: Reflexive Modernisierung: Eine Kontroverse, S. 115.

[31]             Siehe hierzu: Bieri, Peter: Das Handwerk der Freiheit, S.189ff.

[32]             Vgl. Stendhal: Über die Liebe.

[33]             Kaufmann, Jean-Clode: Sex@amour, S. 13.

[34]             Kaufmann, Jean-Clode: Sex@amour, S. 20.

[35]             Vgl. Beck, Ulrich/ Beck-Gernsheim, Elisabeth: Das ganz normale Chaos der Liebe, S. 231 ff.

[36]             Kaufmann, Jean-Clode: Sex@amour, S. 13.